Textsammlung

Mein Glauben

Mein Glauben macht mich offen für die Möglichkeit, dass es etwas größeres als die menschliche Vernunft gibt. Das bedeutet nicht, dass ich Vernunft nicht wertschätze; es bedeutet noch viel weniger, dass ich einen Konflikt zwischen Wissenschaft und Glauben sehe. Ich sehe aber auch die menschliche Vernunft nicht als das Maß aller Dinge oder als die höchstmögliche Instanz des Urteils – meine persönliche schon gar nicht, aber auch die der Menschheit als Gesamtes.

Ich bin davon überzeut: Gott hat uns Geist und Verstand gegeben, um sie einzusetzen. Um scharf zu denken, um zu lernen. Er hat uns die Neugier gegeben, die uns treibt und die uns dazu bringt, uns immer neue Fragen zu stellen und nach den Antworten zu suchen. Wenn wir das nicht tun, dann werden wir ihm — werden wir uns nicht gerecht. Aber wenn wir davon betrunken sind, dass wir Antworten finden, und wenn wir stolz darauf sind, dass es unser Geist ist, der das macht und eben nur mehr das als den höchsten Maßstab sehen, dann werden wir uns — dann werden wir ihm ebensowenig gerecht.



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